Bewaffneter Raubüberfall in Oberrieden: Verkäufer zeigt bemerkenswerten Mut

Ein Verkäufer in Oberrieden widerstand trotz Todesdrohungen mit Sturmgewehr bewaffneten Räubern. Der Haupttäter erhielt drei Jahre Haft.

Ein aussergewöhnlicher Fall von Zivilcourage beschäftigte das Bezirksgericht Horgen: Bei einem bewaffneten Raubüberfall auf eine Migrolino-Filiale in Oberrieden zeigte ein Verkäufer bemerkenswerten Mut und widerstand trotz massiver Todesdrohungen den Forderungen der Täter.

Brutaler Überfall im November 2023

Im November 2023 wurde die Migrolino-Filiale in der Zürcher Seegemeinde Oberrieden zum Schauplatz eines besonders dreisten Verbrechens. Ein 25-jähriger Heizungsmonteur überfiel zusammen mit zwei Komplizen das Geschäft. Während einer der Täter vor dem Laden Schmiere stand, betraten die beiden anderen vermummt mit ABC-Schutzmaske und Coronamaske den Verkaufsraum.

Bewaffnet mit einem Sturmgewehr 90 - allerdings ungeladen, wie sich später herausstellte - forderten die Räuber den anwesenden Verkäufer auf, sowohl die Kasse als auch den Tresor zu öffnen. Der Schweizer mit afrikanischen Wurzeln machte eine Ladebewegung mit dem Gewehr, um seine Drohung zu unterstreichen.

Unerschütterliche Haltung trotz Todesangst

Obwohl der Verkäufer die Kasse öffnete, weigerte er sich standhaft, den Tresor zu öffnen oder den entsprechenden Code preiszugeben. Selbst als die Situation eskalierte und ihm das Sturmgewehr an den Kopf gehalten wurde, blieb er bei seiner Verweigerung. Die Täter zwangen ihn, wie bei einer Hinrichtung auf den Boden zu knien und die Hände hinter den Kopf zu legen.

Die Bedrohungen steigerten sich weiter: Der Haupttäter stiess dem Verkäufer mit dem Gewehrkolben in den Hinterkopf und drohte, ihn zu erschiessen. Als auch dies nicht zum gewünschten Erfolg führte, griff der Räuber zu einem im Laden herumliegenden Messer, hielt es dem Opfer vor den Hals und drohte, ihm die Kehle aufzuschlitzen.

Serie von Straftaten

Trotz der extremen Gewaltandrohungen gaben die Täter schliesslich auf und verliessen den Laden mit einer vergleichsweise geringen Beute von 4300 Franken. Diese bestand aus Bargeld aus der Kasse, alkoholischen Getränken und Zigarettenstangen.

Der Fall erwies sich jedoch als Teil einer grösseren Verbrechensreihe. Bereits einen Monat zuvor hatte derselbe Heizungsmonteur mit einem anderen Komplizen den Spar Express in Horgen überfallen. Dort bedrohten sie zwei Verkäufer mit einer täuschend echt aussehenden Imitationspistole und erbeuteten 8800 Franken. Zusätzlich wird dem Beschuldigten ein nächtlicher Einbruch in eine Gärtnerei in Oberrieden zur Last gelegt, bei dem er 3200 Franken erbeutete und einen beinahe dreifach so hohen Sachschaden verursachte.

Gerichtsverfahren und Urteil

Nach seiner Verhaftung im Dezember 2023 sass der Täter knapp drei Monate in Untersuchungshaft. Das Verfahren vor dem Bezirksgericht Horgen fand im abgekürzten Verfahren statt, nachdem der Beschuldigte ein vollumfängliches Geständnis abgelegt hatte.

Der Staatsanwalt forderte wegen Raubs und Diebstahls eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren, wovon ein Jahr unbedingt zu verbüssen ist. Vor Gericht zeigte sich der arbeitslose Heizungsmonteur reumütig: “Es tut mir leid, ich entschuldige mich”, sagte er direkt zum anwesenden Verkäufer. Sein Verteidiger betonte, dass sein Mandant alles zugegeben habe und bereit sei, seine Strafe sofort anzutreten.

Richterliche Würdigung

Das Gericht folgte nach kurzer Beratung dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der vorsitzende Richter erläuterte, dass das Strafmass “einiges zu diskutieren gegeben” habe. Die erhebliche kriminelle Energie, die sich in den Drohungen manifestierte, den Verkäufer zu erschiessen und ihm die Kehle aufzuschlitzen, hätte eigentlich eine härtere Bestrafung gerechtfertigt. Das vollumfängliche Geständnis und die gezeigte Reue führten jedoch dazu, dass es beim geforderten Strafmass blieb.

Beeindruckende Zivilcourage

Nach der Verhandlung reichte der Verurteilte dem Opfer die Hand und entschuldigte sich erneut. Der Verkäufer zeigte sich davon wenig beeindruckt. Auf die Frage, ob er nicht Todesangst gehabt und warum er den Tresorcode nicht herausgegeben habe, antwortete der Familienvater lakonisch: “Man muss immer stark sein.”

Bemerkenswert ist auch seine Reaktion nach dem Überfall: Er alarmierte die Polizei, arbeitete weiter und liess sich nicht einmal krankschreiben. Diese Haltung zeugt von einer aussergewöhnlichen mentalen Stärke und einem beeindruckenden Pflichtbewusstsein, das in der heutigen Zeit selten geworden ist.