Ein spektakulärer Diebstahl beschäftigt derzeit die Zürcher Lokalmedien und sorgt in den sozialen Netzwerken für Empörung. Am 22. Januar gegen 19 Uhr wurde ein hochwertiger Elektroroller im Wert von knapp 3000 Franken vor einem Zweiradgeschäft an der Jonas-Furrer-Strasse gestohlen – und das alles in nur zwölf Sekunden.
Präzise Vorgehensweise der Täter
Die Überwachungsaufnahmen des Zweiradgeschäfts FortySix GmbH zeigen die professionelle Vorgehensweise der beiden Täter. Der erste Dieb betritt den beleuchteten und überdachten Eingangsbereich des Geschäfts und wendet sich sofort dem dort abgestellten E-Roller zu. Mit drei schnellen, gezielten Handbewegungen überwindet er die Lenkersperre des Fahrzeugs – ein Vorgang, der auf einige Erfahrung mit solchen Sicherheitsmechanismen hindeutet.
Bemerkenswert ist dabei die Unverfrorenheit des Täters: Obwohl er sich im voll beleuchteten Eingangsbereich befindet und keine Maske trägt, scheint er die installierten Überwachungskameras völlig zu ignorieren oder schlicht zu übersehen. Bereits nach zwölf Sekunden schiebt er das gestohlene Fahrzeug aus dem Geschäftsbereich.
Arbeitsteilung unter den Dieben
Was den Vorfall besonders brisant macht, ist die offensichtliche Arbeitsteilung zwischen den beiden Tätern. Während der erste Mann den eigentlichen Diebstahl begeht, postiert sich sein Komplize in einiger Entfernung und hält offenbar Ausschau nach möglichen Störungen. Nachdem der Roller erfolgreich entwendet wurde, treffen sich die beiden Männer, wechseln kurz einige Worte und entfernen sich dann gemeinsam mit ihrer Beute.
Insgesamt dauert der gesamte Vorgang nur 24 Sekunden – von der Ankunft des ersten Täters bis zum vollständigen Verschwinden beider Personen aus dem Kamerabild.
Geschäftsinhaber entdeckt Diebstahl erst später
Ugo Paolini, der Inhaber der FortySix GmbH, bemerkte den Diebstahl zunächst gar nicht. Sein Geschäft war zu diesem Zeitpunkt für zwei Wochen geschlossen, weshalb der Verlust des E-Rollers nicht sofort auffiel. “Irgendwann dachte ich: Da stand doch ein Roller?”, erklärt Paolini die Entdeckung des Diebstahls. Erst die Überprüfung der Überwachungsaufnahmen brachte Klarheit über das Geschehene.
“Es ist eine Sauerei, dass man vor dem Laden einfach Sachen entwendet”, ärgert sich der Geschäftsmann über die Dreistigkeit der Täter. Besonders frustrierend sei für ihn die Tatsache, dass der Diebstahl so unverfroren und ohne jede Scheu vor möglichen Konsequenzen durchgeführt wurde.
Belohnung als Anreiz für Hinweise
Um die Täter zu identifizieren, hat Paolini nun eine Belohnung von 1000 Franken ausgesetzt. Diese Summe will er jedem zahlen, der Hinweise liefert, die zur eindeutigen Identifikation der beiden Diebe führen. Die Ausschreibung veröffentlichte er auch über seine Instagram-Kanäle, um eine möglichst breite Öffentlichkeit zu erreichen.
“Wenn Menschen Geld bekommen können, strengen sie sich meistens mehr an”, begründet Paolini seine Strategie. Er hofft dabei nicht nur auf die Aufklärung des Diebstahls, sondern auch darauf, dass die öffentliche Aufmerksamkeit die Täter dazu bewegen könnte, den Roller freiwillig zurückzubringen.
Hoffnung auf Rückgabe und rechtliche Schritte
Tatsächlich ist Paolini nicht völlig ohne Hoffnung, was eine freiwillige Rückgabe angeht. Er erinnert sich an einen ähnlichen Fall in einem seiner früheren Geschäfte, wo ein gestohlener Auspuff später von den Dieben selbst zurückgebracht wurde. Dennoch will er sich nicht allein auf die Reue der Täter verlassen und plant, in jedem Fall Anzeige bei der Polizei zu erstatten.
Der Fall zeigt exemplarisch, wie professionell mittlerweile selbst kleinere Diebstähle durchgeführt werden und wie wichtig Überwachungstechnik für die Aufklärung solcher Straftaten geworden ist. Gleichzeitig verdeutlicht er die Problematik der Fahrzeugsicherheit bei E-Rollern, deren Sicherheitsmechanismen offenbar relativ einfach zu überwinden sind.