Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich hat ein Strafverfahren wegen Brandstiftung eingeleitet, nachdem in der Nacht auf Montag der Tempel der grössten Zürcher Freimaurer-Loge «Modestia cum Libertate» beim Lindenhof in Flammen aufgegangen war. Die Ermittlungen deuten auf einen vorsätzlich gelegten Brand hin.
Verdacht auf gezielten Angriff
Nach den bisherigen polizeilichen Untersuchungen gehen die Behörden von einer absichtlichen Brandlegung aus. «Die bisher getätigten umfangreichen polizeilichen Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Brandereignis beim Lindenhof deuten auf einen vorsätzlich gelegten Brand hin», bestätigt Staatsanwaltschaftssprecher Erich Wenzinger gegenüber Medien. Entsprechend führt die Staatsanwaltschaft nun ein Strafverfahren wegen Verdachts auf Brandstiftung gegen unbekannte Täterschaft.
Die Stadtpolizei Zürich hatte bereits unmittelbar nach dem Vorfall einen Zeugenaufruf gestartet und suchte Personen, die zwischen Mitternacht und 1 Uhr in der Nacht verdächtige Beobachtungen in der Gegend des Lindenhofs gemacht haben. Diese Zeitspanne gilt als mutmasslicher Tatzeitpunkt.
Einbruch und Diebstahl vor Brandlegung
Mitglieder der betroffenen Freimaurer-Loge äusserten bereits am Tag nach dem Brand den Verdacht einer gezielten Tat. «Jemand muss in der Nacht ins Gebäude eingebrochen sein», erklärte ein Freimaurer gegenüber Medien. Die Täter hätten offenbar systematisch vorgegangen: Zunächst brachen sie in das historische Gebäude ein und entwendeten wertvolle Gegenstände, bevor sie das Feuer legten.
Besonders betroffen sind die Freimaurer vom Verlust historischer zeremonieller Gehstöcke, die in Vitrinen aufbewahrt wurden. Diese sind nun verschwunden, zurück blieben nur eingeschlagene und leer geräumte Vitrinen. Auch wertvolle Gemälde und eine Silberskulptur eines Baumes sind gemäss Angaben der Logen-Mitglieder gestohlen worden.
Bedeutender Verlust für Zürcher Freimaurerei
Der Brand stellt für die Zürcher Freimaurerei einen erheblichen Verlust dar. Das Gebäude beim Lindenhof diente als zentraler Versammlungsort für alle acht Zürcher Logen, die dort regelmässig ihre Zeremonien abhielten. «Es ist der Super-GAU. Das war böswillig», kommentierten erschütterte Mitglieder den Vorfall.
Die Freimaurer-Loge «Modestia cum Libertate» gilt als die grösste ihrer Art in Zürich und hat eine lange Tradition in der Stadt. Der Verlust des Tempels bedeutet nicht nur einen materiellen Schaden, sondern auch den Verlust eines wichtigen kulturellen und historischen Ortes.
Gemeinsame Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Kantonspolizei
Die weiteren Ermittlungen zu den Hintergründen des Brandes werden nun gemeinsam von der Staatsanwaltschaft und der Kantonspolizei Zürich geführt. Dabei soll geklärt werden, wer für die Tat verantwortlich ist und welche Motive dahinter stehen könnten. Die Behörden prüfen verschiedene Spuren und werten Beweismaterial aus, um die unbekannte Täterschaft zu identifizieren.
Der Fall zeigt, wie gezielt historische und kulturelle Einrichtungen zum Ziel krimineller Handlungen werden können. Die Kombination aus Diebstahl und anschliessender Brandstiftung deutet auf eine geplante und bewusst destruktive Tat hin, die sowohl materiellen als auch ideellen Schaden anrichtete.