Ein spektakulärer Raubüberfall auf den Zürcher Spielzeugladen Amazing Toys hat am Donnerstagabend für Aufsehen gesorgt. Ein unter Drogeneinfluss stehender Mann erbeutete wertvolle Pokémon-Sammelkarten im Gesamtwert von über 2000 Franken und bedrohte dabei eine Angestellte mit einer Spritze.
Scheinbar harmloser Kunde wird zum Räuber
Der Vorfall ereignete sich kurz vor Ladenschluss im Geschäft des bekannten Finanzinfluencers Thomas Kovacs. Was als gewöhnlicher Kundenbesuch begann, entwickelte sich zu einer bedrohlichen Situation. Der Täter verhielt sich zunächst unauffällig und liess sich etwa eine Viertelstunde lang von Kovacs’ Ehefrau beraten, die den Laden betreute.
“Der Mann interessierte sich für Artikel aus der Vitrine und erwähnte auch, eigene Karten verkaufen zu wollen”, berichtet Kovacs gegenüber Medien. Dies lasse darauf schliessen, dass es sich um einen erfahrenen Pokémon-Sammler gehandelt habe. Bereits während der Beratung war der offensichtlich berauschte Zustand des Mannes erkennbar, was die Situation zusätzlich angespannt machte.
Bedrohung mit Spritze eskaliert die Lage
Die Situation eskalierte schlagartig, als der vermeintliche Kunde plötzlich zu drastischen Mitteln griff. Er nahm sich eigenmächtig ein deutsches Pokémon-Basis-Set aus dem Jahr 1999 im Wert von 800 Franken sowie eine Display-Box mit 36 Booster-Packs für über 1200 Franken. Anschliessend forderte er die Öffnung weiterer Vitrinen.
Als die Verkäuferin sich weigerte und versuchte, ihm die Waren wieder abzunehmen, zückte der Räuber eine Spritze und drohte, sie damit zu stechen. “Eine Spritze ist wie eine Waffe oder sogar noch schlimmer, weil man gleich an lebenslange gesundheitliche Schäden denkt”, erklärt Kovacs die ernste Bedrohungslage.
Geistesgegenwärtige Reaktion verhindert Schlimmeres
Die bedrohte Frau bewies in der kritischen Situation bemerkenswerte Geistesgegenwart. Sie gab vor, sich unwohl zu fühlen und frische Luft zu benötigen, woraufhin sie zur Ladentür lief. Der Räuber nutzte diese Gelegenheit, um mit seiner Beute zu fliehen, anstatt die Bedrohung weiter auszuführen.
“Gleichzeitig bin ich stolz darauf, wie souverän sie die Situation gemeistert hat”, äussert sich Kovacs über das beherzte Verhalten seiner Ehefrau. Durch ihr besonnenes Handeln konnte eine weitere Eskalation vermieden werden.
Täter gefasst – schlechte Karten gezogen
Die Zürcher Stadtpolizei konnte den Täter kurz nach der Tat fassen. Bei der Vernehmung erfuhr Kovacs’ Frau, dass der Räuber bereits einige der gestohlenen Booster-Packs geöffnet hatte – offenbar mit wenig Erfolg. “Sie hat bei der Polizei Bilder vom geöffneten Basis-Set-Päckli gesehen und erkannt, dass der Mann schlechte Karten gezogen hat”, berichtet Kovacs mit einem Anflug von Ironie.
Ungewöhnliches Raubziel wirft Fragen auf
Der Vorfall wirft Fragen über die Motivation des Täters auf. “Wir verkaufen Spielzeuge, keine Uhren oder Gold”, gibt Kovacs zu bedenken. Dennoch ist das Phänomen nicht völlig neu: Auch in Japan und den USA gab es bereits Raubüberfälle auf Geschäfte, die wertvolle Pokémon-Karten verkaufen.
Der Boom um Sammelkarten hat in den letzten Jahren zu drastischen Preissteigerungen geführt, wodurch seltene Karten zu begehrten Objekten für Sammler und auch für Kriminelle geworden sind. Für den Ladeninhaber überwiegt nach dem Schock vor allem die Erleichterung, dass seiner Frau nichts passiert ist.