Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat das erfolgreichste Geschäftsjahr ihrer Geschichte abgeschlossen. Mit einem Reingewinn von 1,4 Milliarden Franken übertraf das Finanzinstitut alle bisherigen Rekorde und bestätigte seine Position als eine der stärksten Regionalbanken der Schweiz.
Historischer Erfolg mit gesellschaftlichen Fragen
CEO Urs Baumann präsentierte am Freitag vor den Medien die beeindruckenden Zahlen des Geschäftsjahres 2024. Der erzielte Reingewinn liegt um zehn Prozent über dem Vorjahresergebnis und übersteigt das Niveau von 2014 um satte 140 Prozent. Diese Entwicklung verdeutlicht das rasante Wachstum der Bank in den vergangenen Jahren.
Besonders bemerkenswert ist der Kundenzuwachs: 30'000 neue Kundinnen und Kunden entschieden sich für die ZKB, was einem Neugeld-Zufluss von 14 Milliarden Franken entspricht. Diese Zahlen unterstreichen das gestiegene Vertrauen in die Kantonalbank, das nicht zuletzt durch den Kollaps der Credit Suisse im Jahr 2023 verstärkt wurde.
Credit Suisse-Krise als Wachstumstreiber
Finanzexperten sehen in den Rekordzahlen einen direkten Zusammenhang mit dem Niedergang der einstigen Grossbank Credit Suisse. Beat Schmid, renommierter Finanzjournalist, bezeichnet die ZKB als eine der grössten Profiteurinnen dieses Marktumbruchs. Viele ehemalige Credit Suisse-Kunden suchten Sicherheit bei der staatsgarantierten Kantonalbank.
Die hervorragende operative Performance, die CEO Baumann als Hauptgrund für den Erfolg anführt, spiegelt sich auch in der Bilanzstruktur wider. Das Eigenkapital der ZKB stieg um fast eine Milliarde Franken auf 15,7 Milliarden Franken an. Mit einer harten Kernkapitalquote von 21,2 Prozent liegt die Bank mehr als doppelt so hoch wie die von Finma und Bundesrat geforderten 9,5 Prozent.
Gesellschaftlicher Auftrag versus Gewinnmaximierung
Der Rekordsegen wirft grundsätzliche Fragen zum Auftrag der Kantonalbank auf. Als öffentlich-rechtliche Institution soll die ZKB nicht primär Gewinne maximieren, sondern die Finanzstabilität im Kanton gewährleisten und Bevölkerung sowie KMU unterstützen. Dafür geniesst sie eine Staatsgarantie des Kantons Zürich.
Von dem beeindruckenden Gewinn profitieren zunächst die Eigentümer – Kanton und Gemeinden erhalten 581 Millionen Franken. Dennoch bleibt ein erheblicher Teil in der Bank, was Diskussionen über alternative Verwendungsmöglichkeiten anheizt.
Wohnungsmarkt: Verpasste Chance für mehr Engagement?
Angesichts der angespannten Situation auf dem Zürcher Wohnungsmarkt stellt sich die Frage, ob die ZKB ihre Rekordgewinne nicht stärker für bezahlbaren Wohnraum einsetzen könnte. Als wichtige Finanzierungspartnerin für Wohnbauprojekte hat die Bank erheblichen Einfluss auf die Marktentwicklung.
Finanzchef Martin Bardenhewer betont zwar, dass die ZKB bereits die führende Position bei der Finanzierung gemeinnütziger Wohnbaugenossenschaften innehat und Zinsvergünstigungen gewährt. Eine verstärkte Rückgabe der Rekordgewinne an gemeinnützige Organisationen über bessere Konditionen lehnt er jedoch ab. Der richtige Weg führe weiterhin über den Kanton.
Sicherheit vor gesellschaftlichem Engagement
Die Bankleitung argumentiert mit dem Sicherheitsgedanken: Als öffentliche Bank stehe die Stabilität im Vordergrund. Eine Kapitalrückgabe sei trotz des Rekordjahrs nicht geplant. Das überschüssige Kapital bleibt somit in den Reserven und wird bei anhaltend gutem Geschäftsverlauf weiter wachsen.
Diese Haltung löst bei Beobachtern gemischte Reaktionen aus. Während die einen die vorsichtige Kapitalstrategie begrüssen, fordern andere ein stärkeres gesellschaftliches Engagement der profitablen Staatsbank. Die Diskussion um die optimale Balance zwischen Sicherheit und sozialem Auftrag dürfte die ZKB auch in Zukunft beschäftigen.