Der Zoologische Garten Zürich steht im Zentrum einer heftigen Kontroverse, nachdem bekannt wurde, dass zehn Dschelada-Affen getötet wurden. Die Entscheidung der Zürcher Zooführung hat sowohl in der Öffentlichkeit als auch in den sozialen Medien für empörte Reaktionen gesorgt. Viele Bürgerinnen und Bürger stellen die berechtigte Frage, warum die Tiere nicht stattdessen ausgewildert wurden.
Hintergründe zur Dschelada-Population im Zoo Zürich
Dscheladas, auch bekannt als Blutbrustpaviane, sind in den äthiopischen Hochländern heimische Primaten, die sich durch ihr ausgeprägtes Sozialverhalten auszeichnen. Der Zoo Zürich hält diese Affenart seit Jahren im Rahmen seines Zuchtprogramms. Die Tiere leben normalerweise in grösseren Gruppen und haben komplexe soziale Strukturen entwickelt.
Die zehn getöteten Tiere gehörten zu einer Gruppe, die aufgrund verschiedener Faktoren nicht mehr in der bestehenden Gemeinschaft gehalten werden konnte. Dabei spielten sowohl räumliche Beschränkungen als auch Verhaltensprobleme eine entscheidende Rolle, wie der Zoo in seiner Stellungnahme erklärte.
Warum Auswilderung keine Option war
Die Frage nach der Auswilderung beschäftigt viele Kritiker der Entscheidung. Der Zoo Zürich begründet seine Haltung mit mehreren wissenschaftlich fundierten Argumenten. Erstens stammen die im Zoo geborenen Dscheladas aus mehreren Generationen in Gefangenschaft und verfügen nicht über die notwendigen Überlebensfähigkeiten für das Leben in freier Wildbahn. Sie haben weder gelernt, natürliche Nahrungsquellen zu identifizieren, noch können sie sich vor Fressfeinden schützen.
Zweitens sind Auswilderungsprojekte bei Primaten äusserst komplex und kostspielig. Sie erfordern monatelange Vorbereitungen, spezialisierte Teams und geeignete Habitate. Für Dscheladas kommen nur die Hochländer Äthiopiens in Frage, wo jedoch bereits etablierte Gruppen leben, die Eindringlinge nicht tolerieren würden.
Ethische Überlegungen und Alternativen
Die Entscheidung wirft grundsätzliche Fragen zum Umgang mit sogenannten “überschüssigen” Tieren in Zoos auf. Moderne Zoologische Gärten stehen vor dem Dilemma, einerseits erfolgreiche Zuchtprogramme zu betreiben und andererseits mit begrenztem Platz haushalten zu müssen. Der Zoo Zürich betont, dass zunächst alle anderen Optionen geprüft wurden, einschliesslich der Abgabe an andere zoologische Einrichtungen.
Die Kritik richtet sich auch gegen das grundsätzliche System der Tierhaltung in Zoos. Tierschutzorganisationen argumentieren, dass solche Situationen vermeidbar wären, wenn Zuchtprogramme besser koordiniert und die Kapazitäten realistischer eingeschätzt würden.
Bedeutung für den Artenschutz
Trotz der Kontroverse spielt der Zoo Zürich eine wichtige Rolle im internationalen Artenschutz. Dscheladas sind in ihrem natürlichen Lebensraum durch Habitatverlust und menschliche Eingriffe bedroht. Die Erhaltungszucht in Zoos dient als genetische Reserve und trägt zur Erforschung der Arten bei.
Die aktuelle Diskussion zeigt jedoch auch die Notwendigkeit auf, Zuchtprogramme noch nachhaltiger zu gestalten und transparenter über schwierige Entscheidungen zu kommunizieren.