Pantanal-Voliere-Projekt im Zoo Zürich: Schwerer Konflikt mit Stahlbauer führt zu millionenschwerem Schaden

Der Zoo Zürich beendet die Zusammenarbeit mit der Stahlbaufirma Baltensperger bei der Pantanal-Voliere. 9,5 Millionen Franken Schaden drohen.

Ein millionenschweres Bauprojekt im Zoo Zürich sorgt für Schlagzeilen: Die Zusammenarbeit mit der Stahlbaufirma Baltensperger für den Bau der neuen Pantanal-Voliere wurde nach monatelangen Problemen im Dezember 2024 beendet. In einer Medienkonferenz am Donnerstag erhob die Zooleitung schwerwiegende Vorwürfe gegen das Unternehmen und sprach von erheblichen Vertragsverletzungen.

Millionenschwerer Schaden für den Zoo Zürich

Die finanziellen Auswirkungen des gescheiterten Projekts sind beträchtlich: Der Zoo hatte bereits 9,5 Millionen Franken an die Firma Baltensperger vorausbezahlt – das entspricht 75 Prozent der vereinbarten Gesamtkosten. Im Gegenzug erhielt die Institution jedoch lediglich Bauteile im Wert von rund 700'000 Franken, was etwa drei von 60 benötigten Komponenten entspricht.

Zoodirektor Severin Dressen und Verwaltungsratspräsident Martin Naville machten deutlich, dass sich die Probleme bereits früh abzeichneten. “Wir haben schon früh gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt”, erklärte Naville während der Pressekonferenz. Die Firma habe wiederholt vertragliche Vereinbarungen bezüglich Technik, Terminen und Kosten nicht eingehalten.

Bankgarantien abgerufen – Insolvenz droht

Als der Zoo die Zusammenarbeit beendete, wurden Bankgarantien in Höhe von 4,2 Millionen Franken abgerufen. Diese Massnahme führte nach Angaben der Zooverantwortlichen möglicherweise zur Insolvenz des Unternehmens Baltensperger. “Das kann unserer Ansicht nicht der einzige Grund für den Konkurs eines Unternehmens sein”, betonte Dressen und wies darauf hin, dass trotz des enormen finanziellen Schadens keine Schadensersatzklage geplant sei.

Besonders frustrierend für den Zoo: Die bereits produzierten Stahlteile im Wert von 4,2 Millionen Franken weigerte sich die Firma Baltensperger herauszugeben, obwohl sich nach Abruf der Bankgarantie sogar noch ein finanzielles Plus für das Unternehmen ergeben hätte.

Komplexes Bauprojekt mit besonderen Herausforderungen

Die Pantanal-Voliere gilt als technisch anspruchsvolles Projekt, das präzise Arbeit erfordert. Die Stahlbaufirma war ursprünglich bewusst ausgewählt worden – “wegen des guten Rufes und der Schweizer Basis”, wie Naville erklärte. Doch die Realität sah anders aus: Die festgelegten Formate wurden nicht eingehalten, und anstatt die vereinbarte Montage zu übernehmen, musste der Zoo zusätzliche Ressourcen bereitstellen.

“Über zig Monate haben wir versucht, das Projekt zu realisieren”, schilderte Dressen die langwierigen Bemühungen. Krisengespräche hätten jedoch nur wenig gebracht. Schliesslich entschied der Verwaltungsratspräsident, einen Plan B zu organisieren, da klar wurde, dass eine erfolgreiche Zusammenarbeit nicht möglich war.

Neue Partnerfirmen und baldige Fertigstellung

Trotz der Rückschläge zeigt sich der Zoo optimistisch: Bereits 30 Grosspapageien und andere Tiere sollen bald in der neuen Anlage einziehen können. “Wir sind mit anderen Firmen in Kontakt, andere können bald liefern, was wir brauchen”, versicherte Dressen. Das Projekt stehe kurz vor der Abnahme.

Finanzierung grösstenteils durch Zoo selbst

Die Pantanal-Voliere stellt für den Zoo Zürich eine wichtige Attraktion dar, die zu knapp 90 Prozent selbst finanziert wird. Lediglich zehn Prozent werden durch Betriebssubventionen gedeckt. Dies unterstreicht die Bedeutung des Projekts für die Institution und macht die entstandenen Mehrkosten besonders schmerzhaft.

Die Zooleitung betonte, bewusst moderat informiert zu haben und niemanden schlechtreden zu wollen. Erst nachdem sich die Baufirma öffentlich über den Zoo beklagt hatte, entschied man sich, die Fakten offenzulegen. “Wir sind heute nicht gerne da”, räumte die Leitung ein, sah sich jedoch zu dieser Stellungnahme veranlasst, um den Sachverhalt richtigzustellen.